Recherchen im Internet

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Immer seltener finde ich wirkliche Inhalte im Internet. Aber dennoch fördert das Internet die Sprach-Kultur! - Denn:


A. Im Internet findet keine Realität statt, sondern bestenfalls die verbale Abhandlung derselben.

B. Surfer setzen sich folglich nicht mit Realität auseinander, sondern mit der Semantik der Webautoren.

C. Die Reaktion wird sein, diese Semantik wohlwollend zu akzeptieren, oder sie zu kritisieren und zu verbessern, - durch interaktive Kommentierung oder durch die Semantik und das Design der eigenen Webseite.




Recherchen im Internet sind mit einem großen Risiko der Fehlinformation behaftet. Der erste Eindruck bringt zu einem Thema eher Unwahrheiten und Banalitäten zum Vorschein, während Kerninformationen nicht geliefert werden und Zusammenhänge verloren gehen.


Die Gründe hierfür liegen klar auf der Hand:



I. Ein großer Teil der digitalen Information dient der Aufrechterhaltung der Kommunikation nicht allein durch Programmier-Code, sondern vor allem durch allgemein gehaltene Hinweise und Weiterleitungen und die äußere Präsentation einer Website. Das Internet konstituiert sich eher durch seine äußere Form als durch seine Inhalte!


II. Die Selektion von Informationen über Browser ist schon von der Suchanfrage her einseitig und nicht komplex wie die Lektüre von Unterlagen oder Lehrbüchern. Dennoch nähert sich das Internet immer mehr einem lexikalischen Wissen an. Doch gerade auch Lexika haben Schwächen bei der Vermittlung komplexer Sachverhalte. Die Weiterleitung über Stichworte zu anderen Artikeln wurde im Internet übernommen, trägt ohne ausführliche Vermittlung von Information in diesen Artikeln aber ebenfalls nicht zur Erhellung eines Sachverhaltes bei.


III. Viele Teilnehmer des Internets sind gar nicht an einer Vermittlung von Informationen interessiert. In erster Linie versuchen sie, den Informationsfluss dahingehend zu manipulieren, dass ihre Site mehr Besucher erhält. Die Präsenz eines Anbieters von Informationen oder Waren ist wichtiger als die Qualität seines Angebotes. Andere wollen Produkte und Dienstleistungen verkaufen, indem sie ihren tatsächlichen Wert oder Unwert verschleiern, oder sie wollen aus politischen oder weltanschaulichen Gründen bewusst desinformieren.


IV. Die Software zur Bedienung des Webs scheint auch nach zwanzig Jahren immer noch so unausgereift zu sein, dass sie weder Webautoren noch User zufrieden stellen kann. Das gilt in besonderem Maße außerhalb des englischen Sprachraumes und außerhalb der exklusiven Zirkel des Microsoft-Vertriebs.


V. Die Mehrheit der Zeitungsleser liest Regenbogenpresse; der Marktanteil sogenannter seriöser Zeitschriften ist verschwindend gering. Die symbiotische Beziehung zwischen Konsumenten, die nicht lesen können und Medien-Produzenten, die nicht schreiben können, hat im Internet zu noch entsetzlicheren Erscheinungen geführt als auf dem Zeitungsmarkt.


VI. Selbst, wenn sich Erkenntnis Suchende zuletzt doch bis zu anerkannten Kapazitäten durchgearbeitet haben, sind sie selten am Ziel. Denn auch die klassischen und modernen wissenschaftlichen und literarischen Veröffentlichungen enthalten zum größten Teil nur Kokelores.





Der große Internet-Betrug

Der Reiz des Internets liegt in der Möglichkeit des Vergleichs verschiedenster Informationsquellen. Diese Vielfalt und millionenfache Konkurrenz beinhalten auch die Chance, dass letztendlich die Qualität des Angebotes Priorität gewinnt. Voraussetzung dafür ist allerdings freier Informationsfluss - und Instanzen, die diesen gewährleisten.

Meines Erachtens ist aber im Internet weder der Informationsfluss, noch die Meinungs- und Informations-Freiheit, noch die Freiheit zu seiner selbstbestimmten privaten oder gewerblichen Nutzung gewährleistet.



Seine Instanzen, die kommerziellen Webportale und Suchmaschinen, können die Indexierung jeder beliebigen Seite verhindern, und ihre Bestrebungen gehen möglicherweise dahin, wenig finanzkräftige Anbieter von vorneherein auszufiltern. Zwar sollte dieses eigentlich dem Leitbild solcher Institutionen vollkommen zuwider laufen, die ökonomischen Sachzwänge verlangen von ihnen jedoch, ähnliche Optionen denen zuzuschanzen, die am meisten zahlen.

Während unsereins unendlich viel Mühe in das Verfassen von Hypertext-Informationen steckt, die von den Webportalen nicht indexiert werden, bieten viele der erfolgreichsten Akteure des Web zu der jeweiligen Informations-Nachfrage keinesfalls adaequate Angebote, sondern Spam, dem der Anschein letztgültiger Relevanz verpasst wird!

Durch viele irrelevante Links können Webportale und Suchmaschinen ihre eigenen Klickraten erhöhen.

Die großen Akteure des Internet und die Werbebranche können professionelle Programmierer einsetzen und gewinnen dadurch einen nicht einzuholenden Vorsprung gegenüber dem Normalverbraucher.

Am Internet verdient niemand etwas. Es dient nur einem einzigen Software-Monopolisten als zusätzliches Verkaufs-Argument.

Hinzu kommt die Belästigung durch Spammer, die offenbar jede Mail-Adresse im Internet verunreinigen müssen und sich damit mit den niedrigsten Lebensformen der Krankheitserreger auf eine Stufe stellen.



Dem unglückseligen Nutzer des Web soll in jedem Falle der letzte Groschen aus der Tasche gezogen werden.

Nach Jahren frustrierendster Versuche in der virtuellen Welt des E-Business, muss ich aber zu bedenken geben, dass auch als Anbieter die Nutzung des Web nicht sehr sinnvoll ist.
... es sei denn, man hat tatsächlich die Absicht, sich als gewiefter Trickbetrüger hervor zu tun und schon einmal einige Tricks einzuüben.

Die Einrichtung und Pflege des Internet-Auftritts ist mit soviel Aufwand verbunden, dass diese Vortäuschung virtueller Welten immerhin sauer genug verdient ist.



An die Gleichgeschalteten (Gesprochen 1935 über den Moskauer Sender)

... es genügt nicht mehr der Wille zu lügen.
Das Können ist nötig und die Leidenschaft wird verlangt.
Der Wunsch, das Brot nicht zu verlieren, mischt sich
Mit dem Wunsch, durch besondere Kunst dem ungereimtesten Gewäsch
Einen Sinn zu verleihen ...

B. Brecht




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